Tag 13 – Freitag, 8. Februar

Gewicht 68,7 Kilogramm
Ernährung 1 Glas Bittersalz F.-X.-Mayr-Kurstufe 4 „Trennkost“:
Roggen-Dinkel-Brötchen mit Schafschichtkäse und Joghurt zum Frühstück, Basensuppe mit Kräutern und zartes Lammragout mit leichtem Kakaoschaum und feiner Gemüsevariation zu Mittag, 2 Scheiben Dinkelknäckebrot + 50 g Forellenaufstrich zum Abendessen,Tee nach Belieben
Bewegung Morgengymnastik, Spaziergang
Zeitung Tiroler Tageszeitung, Gala, Standard

6.45 Uhr

Bitterwasser trinken laut Therapieplan

7.00 Uhr

Mein letzter Tag im Parkhotel! Ich erwache mit einem Gefühl der Erleichterung und der Wehmut. Mein Fastenufenthalt ist beinahe schon zu Ende. Während ich langsam meine Trainingshose für die Morgengymnastik überstreife, lasse ich meine Gedanken schweifen: Tatsächlich habe ich wohl einige Kilos an Ballast verloren. Andererseits nehme ich jede Menge neuer Eindrücke und Erkenntnisse mit nach Hause.

Bei der Erinnerung an meinen Ankunftstag beginne ich zu lächeln: Die unsichere und ungeschickte Elli Heldenstein hat sich in eine Frau verwandelt, die endlich wieder weiß, was sie will. So kommt es mir zumindest vor. Ich war hier vierzehn Tage weder einsam noch gelangweilt.

Ich habe mich wohlgefühlt und habe tatsächlich Energien gesammelt, fühle mich stark und geerdet. Ein paar merkwürdige Dinge sind mir passiert: Mein Kochkurs mit Markus scheint Ewigkeiten her zu sein, die merkwürdigen Aufeinandertreffen mit „Eisbein“ scheinen geradezu absurd, mein Brief an Justus, mein Gedankenkarussell. Doch nun haben sich meine Gedanken ausgekreiselt: Ich bin klar.

Diesen letzten Tag werde ich in vollen Zügen genießen.

9.35 Uhr

Nach der Morgengymnastik und dem Frühstück begebe ich mich noch einmal in die professionellen Massagehände von Elmar. Gemeinsam reflektieren wir meinen Aufenthalt und Elmar bemerkt geradezu nebenbei, wie sehr ich mich verändert habe. Nicht nur, dass meine Hüften schmaler geworden sind, auch mein Blick hat sich wieder geöffnet:

Ich trete Menschen mit offenen Augen und offenem Herzen entgegen. Ich bin bei mir und in meinem Körper ganz und gar angekommen und kann mich nun nach außen öffnen. Dankbar verabschiede ich mich von Elmar und fiebere auf den großen Termin hin: Abschlusskontrolle bei Frau Dr. Schirmer!

12.00 Uhr

Nun ist es also so weit – ein letztes Mal werde ich gewogen, ein letztes Mal erhalte ich die professionelle Bauchmassage. Bei der ärztlichen Abschlusskontrolle mit Analyse der Bioimpedanzmessung bekomme ich mein „Fastenzertifikat“: den mehrseitigen persönlichen Gesundheitswegweiser.

Frau Dr. Schirmer prüft, misst und wiegt. Mit dem Resultat scheint zumindest sie zufrieden zu sein; 3,6 Kilogramm hab ich in 13 Tagen abgenommen. Nicht viel, finde ich. Doch Frau Dr. Schirmer ist zuversichtlich. „Wenn Sie die Kur nun noch eine Woche zu Hause weiterführen, langsam ausklingen lassen und sich an die Richtlinien des Gesundheitswegweisers halten, dann werden Sie noch einige Kilo abnehmen“, beruhigt sie mich.

Ich bleibe skeptisch, doch was bleibt mir anderes übrig als ihr, der erfahrenen Ärztin, zu glauben.

Die Ergebnisse der Bioimpedanzmessung hingegen sind ein voller Erfolg. Sogar Frau Dr. Schirmer guckt erstaunt: Während ich tatsächlich 3,6 Kilogramm Fett abgenommen habe, habe ich doch glatt 2,7 Kilogramm Muskelmasse zugelegt. Das ist doch erstaunlich und stolz kann ich endlich lachen. Das Radfahren, die Morgengymnastik, die Spaziergänge, das Pilates und das Yoga haben sich bezahlt gemacht – mein Körper hat sich rundum erneuert! Dankbar und zuversichtlich verabschiede ich mich von Frau Dr. Schirmer.

15.00

Bevor ich mich ans Kofferpacken und Abschiednehmen mache, freue ich mich auf meine letzte Anwendung bei Daniela. Sie ist die unumstrittene Wickelexpertin des Hauses.

Ich gönne mir als Krönung meines Aufenthalts den Terra-Vit-Wickel. Daniela streift ihre Einweghandschuhe über und cremt meinen Körper von oben bis unten mit dem stoffwechselanregenden und durchblutungsfördernden Gel ein.

Ich schaue an mir hinab und staune nicht schlecht: meine Unebenheiten, Dellen und Krater sind sichtbar kleiner geworden. Doch Daniela kennt kein Erbarmen, sie wickelt die mit Heilerde, Salzen, Mineralien und Bodenextrakten getränkten Bandagen um meine zarten Fesseln und bandagiert gnadenlos weiter. Hoch hinauf über die Waden, Knie, Oberschenkel, über die Hüften und rund um den Po. Meine Beine stecken von oben bis unten in fest gewickelten braunen Bandagen.

„Jetzt mach ich Ihnen noch einen schönen Minirock“, schmunzelt sie und bandagiert meine ehemaligen Problemzonen. Weiter geht’s über Bauch, Brüste, Schultern und Arme. Daniela hätte dem Verpackungskünstler Christo alle Ehre gemacht. Eingewickelt bewege ich mich wie ein Zinnsoldat in Richtung Liege.

Ich bekomme zwei Wärmepackungen auf Bauch und Oberschenkel, werde in Frischhaltefolie und eine Decke gewickelt. „Ich wünsche ein schönes Stündchen Schlaf“, verabschiedet sich Daniela.

Mein Körper beginnt unter der Decke mächtig zu schwitzen. Der Terra-Vit-Ganzkörperwickel aktiviert das Lymphsystem und fördert die Ausscheidung aller Giftstoffe. Mein Körper scheint Zentimeter für Zentimeter zu schmelzen.

Mein Blick wandert nach draußen: Die Nordkette blitzt weiß in der Nachmittagssonne, die Vögel pfeifen schon ein Frühlingslied in den alten Bäumen. Ich lasse noch einmal die letzten vierzehn Tage Revue passieren. Obwohl ich nie unter einer wirklich quälenden Fastenkrise gelitten habe, gab es dennoch einen klaren Unterschied zwischen der ersten und der zweiten Woche.

Während mein Körper anfänglich auf stur geschalten hatte, rutschte meine Stimmung in den Keller, missmutig und voll wirrer Gedanken schleppte ich mich durch die erste Woche. Die zweite Woche hingegen war geprägt von Plänen und Aufbruchsstimmung. Ich habe eindeutig an Lebensqualität gewonnen. Es hatte sich angefühlt, als wären die Konturen meines Lebens unter einer dicken Fettschicht freigespachtelt worden.

Während meine Gedanken kreisen, scheine ich weiter zu schmelzen wie Schnee in der Märzsonne. Ich dämmre vor mich hin und am Ende eines kleinen Nickerchens erwache ich mit einem deutlichen Druck auf der Blase. Zum Glück steckt Daniela gerade ihren Kopf zur Tür herein. „Mir reicht’s“, stöhne ich. „Ich glaube, ich hab genug Stoffwechselfunktionen angeregt und Umfang reduziert.“ „Na, dann setzen Sie sich erst einmal langsam auf und dann erlöse ich Sie wieder.“

Streifen um Streifen lösen sich die Bandagen von meinem Körper. Endlich darf ich mich wieder in alle Himmelsrichtungen entfalten – einfach himmlisch. Das Feuchtigkeitsgel streiche ich mir auf meinen Körper – streichelzart und rosig schimmert er. Ich schwebe in meinen weißen Pantoffeln die Treppe nach unten. Ach ja, der Bikini sitzt um einiges lockerer als zuvor. Meine sonst prall gefüllten Körbchen sind halb leer und die seitlichen Bänder schneiden nicht mehr zwei Zentimeter ins Fleisch ein.Wickel sei Dank!

18.00 Uhr

Ein letzter Spaziergang entlang der Dörflerrunde in Igls, ein letzter Blick aufs Viller Moor, ein letzter Gruß an den Seerosenweiher: Sie waren meinen treuen Begleiter, ließen sich nicht von meinen wirren Gedanken gefangen nehmen, reflektierten, waren da. In der Natur habe ich zwei Wochen lang einen würdigen Gesprächspartner gefunden, der mir die Stille als unerschöpfliche Kraftquelle selbstlos und kostenlos zur Verfügung gestellt hat.

Im Hotelzimmer beginne ich langsam zu packen. Bevor ich die alten Jeans einpacke, schlüpfe ich noch einmal hinein. Sie passen! Knopf und Reißverschluss lassen sich schließen: Das Ziel ist erreicht!

21.00 Uhr

Die Zugtickets liegen bereit. Meine letzte Nacht im Parkhotel Igls beginnt mit einem Leberwickel und einer dampfenden Tasse Abendtee.

Mein Highlight des Tages
Obwohl im Umfang reduziert, fühle ich mich stärker als je zuvor.

Meine Fasten-Erkenntnis
Wer sich viel bewegt, erhöht seinen Grundumsatz und nimmt sogar im Schlaf ab. Und wer sich selbst bewegt, bewegt auch andere.

Mein Ziel für zu Hause
Dankbar sein für das, was war.
Dankbar sein, für das, was ist.
Dankbar sein, für das, was kommen wird.